| Porträt: Reinhard Bonnke |
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Wunder zu verkaufen! Artikel aus dem Heft 4/2008 Bonnke, Reinhard: 68 Jahre alt, erlernter Beruf: Einzelhandelskaufmann, heutige Tätigkeit: Evangelist, besondere Fähigkeit: Wunderheilungen. Die soll es im Februar 2008 erneut in Nigeria gegeben haben. Die Bilanz auf den Internetseiten des von Bonnke 1974 gegründeten Missionswerkes Christus für alle Nationen: „Ein Mann, der 40 Jahre völlig blind gewesen war, empfing in einem Augenblick sein Augenlicht. Eine Frau, die drei Jahre gelähmt gewesen und in einer Schubkarre zur Evangelisation geschoben worden war, lief und hüpfte nach ihrer Heilung fröhlich übers Podium. Eine andere Frau, die 32 Jahre lang taub gewesen war, wurde völlig geheilt und artikulierte perfekt.“ Von Heinz-Peter Tjaden Versprochen hat er schon mehr – vor gut 20 Jahren dies: „Die Erweckung, die Europa erreicht, wird eine Erweckung mit Zeichen und Wundern sein. Wir werden kilometerlange Schlangen von Krankenwagen haben, die die hoffnungslos Kranken hierher bringen, und sie werden leer zurückfahren. In Jesu Namen! Halleluja!“ Damals rasten keine Krankenwagen durch Europa, der 68-Jährige nahm es mit einer gewissen Gelassenheit: „Ich kann Gott nicht befehlen!“ In Afrika jedoch scheint Gott gehorsamer zu sein. Wie im August 2008 wieder in Nigeria. Auf Anfrage des christlichen Nachrichtenkanals idea hat Reinhard Bonnke mitteilen lassen, dass es fünf Veranstaltungen mit 100.000 bis 300.000 Besucherinnen und Besuchern gegeben habe. Besonders viele Blinde seien geheilt worden, aber auch ein Aids-Kranker per „himmlischer Bluttransfusion“. Da der Bundesstaat Kaduna muslimisch geprägt ist, sorgte der Gouverneur für schwer bewaffneten Polizeischutz. Der Massenprediger Reinhard Bonnke – das ist: Ein Evangelist mit dem Spitznamen „Mähdrescher Gottes“, der von sich behauptet, dass er sich bereits als Neunjähriger zu Jesus bekehrt habe. Als 19-Jähriger besuchte er eine Bibelschule in Wales, ab 1967 zog er als Missionar durch Afrika. Im Juni 1986 kaufte sein Verein in Frankfurt zwei Häuser, die 2,4 Millionen Mark gekostet haben. Immer wieder hat der 68-Jährige Kritik auf sich gezogen. Margret Mager vom Referat 501 „Grundsatzangelegenheiten/Extremismusprävention“ im Bundesfamilienministerium ging in einem Interview mit mir auf Distanz zu diesem Evangelisten: „Auf Massenveranstaltungen, die häufig mit Geisteraustreibungen, Amulettverbrennungen und Kampfgebeten einhergehen, sollen unzählige Heilungen und sogar Totenerweckungen stattgefunden haben, die sich in vielen Fällen aber als inszeniert herausgestellt haben sollen, was der Anziehungskraft Reinhard Bonnkes bisher aber nicht geschadet hat. Die deutsche Botschaft in Benin berichtet 1998 von inszenierten ,Wunderheilungen‘ in Gabun. Bonnke habe sich anschließend ,nur durch überstürzte Flucht dem Volkszorn entziehen können‘. Diese Ereignisse veranlassten die Botschaft im Zusammenhang mit den Wunderheilungen von ,Scharlatanerie‘ zu sprechen.“ Gott kommt per Videobotschaft Die Bilanzen von Reinhard Bonnke lesen sich anders: Seit der Jahrtausendwende will er in Afrika 45 Millionen Menschen bekehrt haben. In der amerikanischen Pfingstbewegung genießt der 68-Jährige ein gewisses Ansehen. Von sich selbst überzeugt ist er auch, geht aus einem Faltblatt hervor, das aus dem Jahre 2007 stammt: „Wir erhalten durch unsere internationalen Büros Tausende von Einladungen, an die unterschiedlichen Orte zu kommen. Doch ich bin nur eine einzige Person und kann natürlich nur einen winzigen Prozentsatz dieser Einladungen annehmen. Ich erinnere mich noch genau, dass der Herr an einem Tag vor ca. zehn Jahren zu mir sprach und sagte: ,Ich möchte eine Feuerkonferenz in jeder Gemeinde.‘ Ich antwortete: ,Herr, ich habe keinerlei Vorstellung davon, wie das funktionieren kann.‘ Der Herr sprach wieder zu mir und sagte: ,Über den Weg von Filmmaterial.‘“ So hat sich der 68-Jährige ganz nebenbei einen neuen Vertriebsweg erschlossen, auch online ist er sehr präsent, im Internet sind sogar Gebetsanliegen möglich, denn – so Reinhard Bonnke: „Wünscht du, dass Gott auf übernatürliche Weise in deine Lebenssituation eingreift? Dieselben Wunder, die wir auf dem Missionsfeld erleben, stehen auch dir im alltäglichen Leben zur Verfügung. Und zu Gott darf jeder kommen, denn bei ihm gibt es weder Altersgrenzen noch soziale Unterschiede. Du darfst dein Anliegen vor Gott bringen, denn er erhört Gebete!“ Schon sind wir wieder in Nigeria. Dort ist dem Evangelisten angeblich das bislang größte Wunder gelungen: Am 2. Oktober 2001 holte er demnach den am 30. November 2001 tödlich verunglückten Pastor Daniel Ekechukwu ins Leben zurück. Festgehalten wurde das wundersame Geschehen in einem Video mit dem Titel „Vom Tod zurück in das Leben“. Anschauen kann man sich das für knapp 20 Euro. Für alle anderen gibt es seit dem 1. Dezember 2007 „RheinMainTV“. Denn Reinhard Bonnke ist Überzeugungstäter. Vor gut einem Jahr verkündete er in Stuttgart: „Was Gott in Afrika getan hat, wird er auch in Deutschland tun. Wenn nicht in diesem Jahrzehnt, dann im nächsten.“ Radikal real 100 Millionen Menschen sollen bis dahin von ihm bekehrt worden sein. Doch die Stuttgarter Weltanschauungsbeauftragte Annette Kick äußert Zweifel: „Das zeugt schon von Realititätsverlust und Größenwahn; ganz abgesehen von diesen Zahlen, die er zur Bekehrung führen will und angeblich schon geführt hat, die ja meines Erachtens völlig irreal sind.“ Real ist dagegen vornehmlich in Nigeria der „Religionskrieg Radikaler“, hat der Focus am 1. März 2006 einen Terrorismusexperten aus Italien zitiert. Zu den Radikalen gehöre auch ein Deutscher: Reinhard Bonnke. Heinz-Peter Tjaden ist Redakteur und Autor. Sein Internet-Blog „Feuer und Flamme“ widmet sich dem Evangelisten Reinhard Bonnke. http://christusfuerallenationen.blogspot.com/ |






